| Description |
Sonderwirtschaftszonen, Freihäfen, Charter Cities: Zwischen juristische Verantwortlichkeiten fallende Grenzgebiete sind nicht zufällig Schauplätze zeitgenössischer Romane, Serien und Filme. Sie sind einerseits die idealen Orte kapitalistischer Praxis – sei es der exzessiven Bereicherung, Ausbeutung oder Auslagerung –, weil sie von demokratischer Kontrolle und Intervention abgekapselt sind. Sie sind andererseits die idealen Orte künstlerischer Darstellung (oder Herausforderung), weil sie in der Realität unsichtbar, d.h. der breiten Öffentlichkeit verborgen und daher (noch) nicht ästhetisiert sind. Diese zu thematisieren verspricht gleichzeitig politische Relevanz und künstlerische Narrenfreiheit: Die wichtigsten Orte heutiger Herrschaft haben kein bekanntes Gesicht, es ist der kollektiven Vorstellung erst zu malen. Sind sie leere Wüsten wie in "No Country for Old Men", sind sie sterile Designs wie das Zolldepot in "Tenet", sind sie die Hölle wie Bolaños "Santa Teresa"? Und wie funktionieren die Niemandsländer, welchen Zwecken dienen sie und wer macht welche Erfahrungen in ihnen? Diesen Fragen wollen wir uns in diesem Kurs nähern.
Literatur
Vorläufige Auswahl:
Bolaño Roberto: 2666 (2004)
Calvino Italo: Le città invisibili (Die unsichtbaren Städte, 1972)
Dürrenmatt Friedrich: Frank der Fünfte (1959)
Lilin Nicolai: Educazione siberiana (Sibirische Erziehung, 2010)
McCarthy Cormac: The Crossing (Grenzgänger, 1994)
Traven B.: Das Totenschiff (1926)
Tschechow Anton: Остров Сахалин (Die Insel Sachalin, 1895)
Filme:
Coen Ethan & Joel: No Country for Old Men, 2007
Nolan Christopher: Tenet, 2020
Rodriguez Robert: From Dusk Till Dawn, 1996
Scorsese Martin: Casino, 1995
Villeneuve Denis: Sicario, 2015
Sekundärliteratur:
Abrahamian Atossa: Schmutzige Geschäfte im Niemandsland, 2025
Pistor Katharina: Der Code des Kapitals, 2020
Slobodian Quinn: Globalisten, 2019
Zeller Mariana van: Trafficked (Doku-Serie, 2020-2025) |