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Root number
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516450 |
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Semester
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FS2026 |
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Type of course
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Course |
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Allocation to subject
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German Language and Literature |
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Type of exam
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Seminar paper |
| Title |
Vertiefungskurs/Aufbaukurs/Ergänzungskurs LW I: Nothing but the truth? Courtly vernacular narration between claim to authenticity and fictional aesthetics |
| Description |
«Viel lügen die Dichter!» – in der Auseinandersetzung mit diesem Vorwurf des griechischen Königs Solon sieht Hans Blumenberg nichts weniger als einen «Gesamttitel» für die abendländische Dichtungstheorie seit der Antike. Der Begriff der Fiktion als einer legitimen Grösse zwischen Wahrheit und Lüge ist heute so selbstverständlich, dass es schwerfällt, sich vorzustellen, was es bedeutete, Geschichten zu fingieren und dennoch ihre Wahrheit behaupten zu müssen. In genau diesem schwer lösbaren Zwiespalt aber steckte die gesamte mittelalterliche und frühneuzeitliche Erzählliteratur. Die Entwicklung des modernen Fiktionsbegriffs ist eine kulturelle Leistung ersten Ranges, die nur in historischer Perspektive verständlich wird.
Im Seminar werden wir die variierenden Strategien mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Autoren nachzeichnen, die angebliche Wahrheit ihrer Erzählungen zu beglaubigen, sowie die langsam entstehenden Vorstufen eines Konzepts literarischer Fiktionalität herausarbeiten und jeweils an Primärtextauszügen diskutieren. Die aus dieser Perspektive auszugsweise zu behandelnden Werke reichen vom Artusroman des 12. Jahrhunderts (‘Erec’, ‘Iwein’, ‘Parzival’) über die Heldenepik (‘Nibelungenlied’) und fazetiöse Kurzerzählungen (‘Der Borte’, ‘Der Rosendorn’) bis hin zu Prosaromanen des 15./16. Jahrhunderts und schliessen mit einem Ausblick auf Romanvorreden des 17. und 18. Jahrhunderts. Neben der historischen Perspektive wird uns dabei auch die systematische, also literaturtheoretische und logische Analyse des Phänomens der Fiktion beschäftigen, für das es eine Vielzahl von Erklärungsversuchen, aber bis heute keine generell akzeptierte Definition gibt.
Literatur
Hans Blumenberg: Wirklichkeitsbegriff und Möglichkeit des Romans. In: Hans Robert Jauß (Hrsg.): Nachahmung und Illusion. Kolloquium Gießen Juni 1963. Vorlagen und Verhandlungen. München: Fink 1964, S. 9–27.
Sonja Glauch: Fiktionalität im Mittelalter. In: Tilmann Köppe, Tobias Klauk (Hrsg.): Fiktionalität. Berlin und New York: De Gruyter 2013, S. 385–418.
Christian Schneider: Fiktionalität im Mittelalter. In: Lut Missinne, Ralf Schneider, Beatrix van Dam (Hrsg.): Grundthemen der Literaturwissenschaft: Fiktionalität. Berlin und Boston: De Gruyter 2020, S. 80–102.
Christine Putzo: Fictionality and the Alterity of Premodern Literature. In: Peter Hühn, John Pier, Wolf Schmid (Hrsg.): Handbook of Diachronic Narratology. Berlin und Boston: De Gruyter 2023 (= Narratologia 86), S. 810–832.
Christine Putzo: Fictionality in Medieval and Early Modern German Literature. Ebd., S. 833–853.
Alle behandelten Primärtextauszüge werden im Seminar zur Verfügung gestellt. |
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ILIAS-Link (Learning resource for course)
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Registrations are transmitted from CTS to ILIAS (no admission in ILIAS possible).
ILIAS
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Link to another web site
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| Lecturers |
Prof. Dr.
Christine Putzo, Institute of Germanic Languages, Old German Language and Literature ✉
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ECTS
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0 |
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Recognition as optional course possible
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No |
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Grading
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1 to 6 |
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| Dates |
Thursday 16:15-18:00 Weekly
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Friday 8/5/2026 14:15-18:00
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| Rooms |
Seminarraum F -106, Hörraumgebäude Unitobler
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Seminarraum F -111, Hörraumgebäude Unitobler
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| Students please consult the detailed view for complete information on dates, rooms and planned podcasts. |