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Die Kurzprosa von Adelheid Duvanel, Eleonore Frey, Gertrud Leutenegger, Erica Pedretti und Annemarie Schwarzenbach erzählt von Abschied, Reisen und Erinnerungen. Die Grenzübergänge zwischen Schreiben, Publizieren und Überlieferung lotet die Übung anhand ihrer Nachlässe im Schweizerischen Literaturarchiv aus. Die Archive und Nachlässe erlauben material studies in Schrift, Fotografie, Film und Ton zu Schreibprozessen, Publikationsgeschichten und zur Rezeption der fünf Autorinnen.
Adelheid Duvanels (1936-96) Erzählungen „In Fremden Ländern“ verlassen die Figuren selten das Haus. In ihren späten Miniaturen fasst Duvanel die Fremdheit im Alltag und in der Klinik in ihren Texten und Zeichnungen.
Eleonore Freys (*1939) phantastischer Roman „Unterwegs nach Ochotsk“ erzählt zugleich eine faktische und eine utopische Reise. Freys Archiv zeigt, wie es dazu kam. Der kleine Roman erschien in der Edition Engeler und erhielt den Schweizer Literaturpreis 2015.
Gertrud Leuteneggers (1948-2025) dramatisches Poem „Lebewohl, gute Reise“ nimmt den Tod der Mutter zum Anlass für eine Reise in den Imaginationsraum der mythologische Fabel von Gilgamesch im Totenreich. Abschiedsrituale dokumentiert auch der Nachlass von Gertrud Leutenegger.
Erica Pedrettis (1930-2022) autobiographischer Rückblick „Fremd genug“ (2010) erzählt Pedrettis Ankunft in der Schweiz. Damit schlägt sie den Bogen zurück zu ihrem Erstling „Harmloses, bitte“ (1970) und zeigt eine Verwandlung.
Annemarie Schwarzenbachs (1908- 1942) Reisereportagen greifen schreibend, fotografierend und dokumentierend ineinander. Die Autorin ist als Pionierin im Mittleren Osten Automobilistin, Publizistin und Berichterstatterin. Im Kurs wird die Dokumentation der Afghanistanreise 1939/40 und ihr literarischer Reisebericht „Alle Wege sind offen“ diskutiert.
Die Übung zeigt die Arbeitsweise der Autorinnen und die Entstehung von Kurzprosa. Materialien der Recherchen, die Schreibprozesse und Publikationen sind in den Nachlässen der Autorinnen dokumentiert.
Wie die fünf Autorinnen ihre Stoffe suchen und finden, welche narratologischen Verfahren sie entwickeln, in welchen Medien sie publizieren und wie sie rezipiert werden, das können material studies zutage fördern.
*Adelheid Duvanel: Der letzte Frühlingstag. Erzählungen, Hg. Klaus Siblweski, Luchterhand 1997
Adelheid Duvanel: Fern von hier. Sämtliche Erzählungen, Hg. Elsbeth Dangel Pelloquen, Limmat 2021
Wände dünn wie Haut. Zeichnungen und Gemälde der Schweizer Schriftstellerin Adelheid Duvanel, Hg. Monika Jagfeld, Museum Lagerhaus 2009
*Eleonore Frey: Unterwegs nach Ochotsk, Edition Engeler 2014
*Gertrud Leutenegger: Lebewohl, gute Reise, Frankfurt 1980.
Comedian Harmonists, Lebewohl, gute Reise, Ultimate Edition (P) Fiesta Records (youtube)
*Erica Pedretti: fremd genug, Insel Verlag 2010
Erica Pedretti: Harmloses, bitte. Suhrkamp
Meike Penkwitt. Erica Pedretti. Kontrapunktik, Räumlichkeit und Materialität als Prinzipien der Textorganisation, Würzburg 2013.
*Annemarie Schwarzenbach: Alle Wege sind offen. Die Reise nach Afghanistan 1939/40, Hg. Roger Perret, (erw. Neuauflage 2021)
Carbone, Mirella (Hrsg.): Annemarie Schwarzenbach. Werk, Wirkung, Kontext, Aisthesis 2010
Die Reise nach Kafiristan, Regie und Drehbuch Fosco &Donatello Dubini, Barbara Marx, Spielfilm 2001, 100’.
Matt, Beatrice von: Frauen schreiben die Schweiz, Frauenfeld 1998. |