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Das Stichwort Korpuslinguistik beschreibt die Erforschung linguistischer Fragen anhand von Korpora – das sind strukturierte Sammlungen sprachlicher Daten. Dabei handelt es sich meist um digitale Sammlungen zu geschriebener Sprache der Gegenwart oder vergangener Jahrhunderte, teils auch zu gesprochener Sprache (der Gegenwart und jüngeren Vergangenheit).
Wollten Sie schon immer mal ein sprachliches Phänomen selbst an Korpustexten untersuchen? Oder Sie haben schon kleine Studien durchgeführt, möchten aber noch mehr zur Methodik lernen? Wollen Sie einen Überblick über die deutschsprachige Korpuslandschaft gewinnen? Suchen Sie nach Wegen, wie Sie das eigene Sprachgefühl anhand authentischer Sprachdaten überprüfen können oder auch Ihre späteren Schüler:innen dazu anleiten können?
Dieser Kurs vermittelt zunächst wichtige Grundlagen und Methoden des korpuslinguistischen Arbeitens anhand ausgewählter Fragestellungen und Korpora. Danach werden Sie ein eigenständiges Forschungsprojekt bearbeiten, bei dem ich beratend zur Seite stehe. Am Semesterende werden Sie die Ergebnisse interaktiv präsentieren.
Für die Projektarbeit kommen grundsätzlich Themen aller linguistischen Bereiche in Frage, sofern sie sich korpusbasiert gut bearbeiten lassen (das heisst, dass relevante Daten in den vorhandenen Korpora vorkommen und gut suchbar sind). Sie können hierbei Themen aus der Einstiegsphase, aus Ihrem bisherigen Studium oder ganz neue Themen erkunden; Vorschläge stelle ich bereit. Die Projektarbeit können Sie später zu Semester- oder Abschlussarbeiten weiter ausbauen.
Einige mögliche Themen könnten sein:
Wortbildung: "sein ständiges Ge-X-e", "die ganze X-erei". Expressive Ereignisnominalisierung diachron und diatopisch.
Wortbildung: "verfahrenstechnisch" vs. "urlaubstechnisch". Entstehung eines Affixoids.
Flexion: "den Hochwolgebornen vndt werthen Helden Hansen Vlrichen von Schaffgotsch". Deflexion von Eigennamen
Morphosyntax: "am"-Progressiv im Schweizerdeutschen Mundartkorpus
Morphosyntax: "obwohl", "obschon", "obgleich" – die Grammatikalisierung aus "ob […] wohl", "ob […] schon", "ob […] gleich" verbunden mit der Frage nach regionaler Distribution ("obschon" als Helvetismus?)
Syntax: Relativpronomen "welch-": ein Archaismus oder Helvetismus?
Semantik: "eine rechte brave Lust" vs. "bloß braves Tagesgeschäft der Politik". Bedeutungswandel von Lexemen anhand ihrer Kookkurrenzen.
Voraussetzungen: Grundkenntnisse in Linguistik sowie grundlegende Nutzungserfahrungen z.B. in Textverarbeitungsprogrammen werden vorausgesetzt. Weitere digitale Kompetenzen (z.B. Excel, HTML, reguläre Ausdrücke) sind willkommen aber nicht Voraussetzung. Wichtig ist Offenheit und Neugier gegenüber digitalen Methoden. Sie werden angeleitet, sollten darüber hinaus aber auch selbstständig mit den Hilfeseiten der Korpora arbeiten (z.B. https://www.deutschestextarchiv.de/doku/DDC-suche_hilfe). Ein Tutorat ist geplant.
Literatur
DWDS – Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache, hrsg. v. d. Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, https://www.dwds.de/d/wb-dwdswb und https://www.dwds.de/d/korpora, abgerufen am 01.04.2026.
Lemnitzer, Lothar, Heike Zinsmeister (32015): Korpuslinguistik: eine Einführung. Tübingen: Narr.
Perkuhn, Rainer, Holger Keibel, Marc Kupietz (2012): Korpuslinguistik. Paderborn: Fink.
Scherer, Carmen (22014): Korpuslinguistik (Kurze Einführungen in die germanistische Linguistik; 2). Heidelberg: Winter. |